Agentur Almut Undisz - Startseite    
   
Kontakt Impressum Startseite
 
Künstler Programme
   
   
   
Rezension
   

hidden sounds

Geheimnis des Mantra

Von Elke Lang, 7.2.2005, Märkische Oderzeitung

Müncheberg. Wie man ihre Musik bezeichnen kann, die Freitag bis Sonntag in Schwerin, im Zollbrücker Theater am Rand und in der Müncheberger Stadtpfarrkirche unter dem Titel "hidden sounds" ihre Premiere hatte, wissen die Akteure Tobias Morgenstern und Wolfram Dix auch nicht. Fest steht: Mit Mainstream hat sie nichts zutun. Sie ist etwas für anspruchsvolle Zuhörer. Davon waren am Sonntag etwa 150 in der Stadtpfarrkirche Müncheberg versammelt und sie waren begeistert.

Auch Elemente des Freejazz seien vorhanden, rätselt Tobias Morgenstern, denn es sei eine spontan improvisierte Musik. Aber diese Bezeichnung allein trifft es nicht, sind doch auch vielfältigste Stilelemente der sogenannten Weltmusik aufgenommen worden,Live in Müncheberg werden die unterschiedlichsten Zitate eingeflochten und Themen von "Waldeslust" bis zur "Internationale" weiterverarbeitet. "Es ist ein bestimmter Rahmen konzipiert, und was exakt darin passiert, wissen wir vorher meist auch nicht. Wir versuchen, gemeinsame Schwingungen zu finden, und lassen uns immer wieder überraschen", schildert der Zollbrücker Musiker den Enstehungsprozeß.

Die Improvisation ist jedoch nicht nur auf das Melodische und Rhythmische beschränkt. Wolfram Dix, als Perkussionist ein Meister, präsentiert sich hier als Erfinder immer neuer Klangfarben und Effekte. Aus allen eingesetzten Instrumenten eine Vielzahl möglicher Klänge hervorzuzaubern, ist ihm ein Anliegen. Als wichtigstes Musikinstrument und Werkzeug dient ihm dabei die Wave-Drum, ein mit einem Trommelfell bespanntes elektronisches Instrument, auf dem 100 verwandelbare Klänge durch Hand- und Stockschläge, durch Kratzen, Schaben und Fingerdruck abgerufen werden können, aber auf dem auch eben erst Gespieltes mit Hilfe eines Loop-Samplers sofort wieder für Überspielungen zur Verfügung steht. Mit dieser äußerst sensiblen Instrumentenkombination zaubert Dix verträumte Klangbilder, veranstaltet Klangmalereien, die sich im Verein mit dem Akkordeonisten Morgenstern in einen furiosen Tanz verwandeln können.

Der Dritte im Bunde, der in dieser Müncheberger Mixtur aus natürlichen und synthetischen Klängen als Gast mitwirkt, ist der Berliner Pianist Julius Krebs als Sound - Designer am Mischpult.
Wenn ein so passionierte Perkussionist wie Dix auf der Bühne sitzt, ist die Musik besonders rhythmusbezogen und temperamentvoll. Aber auch verträumte Akkordeonpassagen waren diesmal dabei. Ein Stück verzichtete jedoch völlig auf getrommelten Rhythmus: das einem Mönchsgesang ähnelnde "Mantra 1", eine als Kreis gebaute Tonfolge aus spontan ertönenden Silben , die scheinbar ohne Anfang und Ende unmerklich dahinfließen und als ein geheimnisvoller Klangteppich wirken.



Experimentelle Klänge und späte Belohnung
Tobias Morgenstern und WolfRam Dix in Bugewitz

Bugewitz. Wenn's am schönsten ist, soll man gehen, lautet ein Sprichwort. Genau dieses beherzigten Tobias Morgenstern und Wolf Ram Dix während ihres Konzerts am Freitagabend beim Kulturverein "Weitblick" in Bugewitz: Fast bis zum Ende ihres Zwei-Stunden-Programms "Hidden Sounds" hat es gedauert, bis der Funke übersprang und die Zuhörer zu mehr bereit waren, als nur freundlichen Applaus zu spenden für die Improvisationen des Akkordeon-Solisten Morgenstern und des Percussionisten Wolf Ram Dix.

Zu speziell schienen weite Teile des Programms - und all jene, die etwa die tiefe bis überschäumende Emotionalität von Morgensterns Tango-Projekt "Milonga triste" erwartet hatten, mussten sich an die eher experimentellen Klänge der beiden aus Dresden beziehungsweise Leipzig stammenden Künstler erst gewöhnen: Tobias Morgenstern und WolfRam Dix in BugewitzHohles Fauchen des Akkordeons, sirrende und kratzende Percussion-Soli oder ganz atypisch vokaler Sprechgesang - Morgenstern und Dix forderten von ihrem Publikum die aufmerksame Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Die "Belohnung": Besonders im zweiten Konzertteil nach der Pause wirkte das Programm spritziger, und Morgenstern fand mit Dix endlich zu jener Verschränkung von Melodik, mitreißender Spielfreude und präziser Rhythmik, die beide Künstler seit langem auszeichnet und die sie als Dozenten und Lehrbeauftragte an junge Musikergenerationen weitergeben.

Die Begeisterungsstürme, die Tobias Morgenstern und Wolf Ram Dix bei der Premiere von "Hidden Sounds" auf der Seebühne Vitte offenbar geerntet haben, blieben in Bugewitz zwar aus. Doch wuchs der zurückhaltende Beifall mit der Verständlichkeit der Stücke - und am Ende konnten sich die Künstler noch über ein zufrieden trampelndes Publikum freuen. Das war nach den beiden Zugaben, deren Dramaturgie von Joseph Haydn und seiner "Abschiedssymphonie" ähnelte: Wie beim Klassiker die Musiker nach und nach die Bühne verlassen, stand zuerst Morgenstern auf und schlüpfte in eine Zuhörerrolle; dann beendete auch Dix seine Percussion und überließ seiner allein weiterspielenden elektronischen Wave-Drum den sanft verhallenden Schlussakkord.

Siegfried Denzel



<<< hidden sounds
<<< WolfRam Dix
<<< Tobias Morgenstern
<<< weitere Programme